s c e l e t e c
keine schönen töne

Interview: sceletec

Autor: Michael(sturmzeiten.de)

sturmzeiten.de: Auf deiner Webside ist ja nicht viel
über dich zu erfahren. Lediglich deine Alben hast du online gestellt und ein
Foto gibt’s. Hältst du mit Absicht gewisse Informationen zum Macher hinter
Sceletec zurück?

sceletec: Du hast das richtig erkannt, es soll
auf der Seite nicht um mich gehen. Dadurch soll ein Eindruck von dem Projekt
Sceletec und Convertertod gebildet werden und nicht von mir, denn es geht nicht
um meine Person. Zu den Alben, welche in guter Qualität mit 192kbs mp3 zur
Verfügung stehen, gibt es noch eine Fotogalerie. Das fotografieren betreibe ich
seit geraumer Zeit. Es ermöglicht mir ebenfalls eigenartige Gefühle abrufbar zu
machen wie bei meiner Musik.

sturmzeiten.de: Sceletec entstand, wie ich hörte,
aus dem Projekt Convertertod. Was war für dich der Grund, aus dem Projekt
Convertertod das Projekt Sceletec entstehen zu lassen und weißt der Name
Convertertod wirklich auf ein Wortspiel mit dem Namen der Industrial-Band
Converter zurück?

sceletec: Das Album zu Convertertod entstand bei
einem Kumpel, welcher mit seinen Projekten früher „Sufferhead“ und neuer
„Anonkrata“ schon längere Zeit mit seinen Gerätschaften experimentiert und
produziert. Als ich eines Abends bei ihm war und er seine Maschinen anstöpselte
probierte ich ein wenig was aus. Ich hatte eine ungefähre Idee wie es werden
könnte. Das ganze wurde auf Tape aufgenommen, total spontan und unter meiner
Regie. Wir wollten das ganze dann unter dem Namen Kleriker mit einem
provokativen Albumtitel als Tape unter die Leute bringen. Die Zeit verging und
es geschah nichts. Ich entschloss mich dann, das Tape zu digitalisieren, auf CD
zu brennen und als Convertertod zu verbreiten. Dazu kam mir die Idee welche mir
schon länger vorschwebte, kurze bis sehr kurze Tracks zu machen, aus den sehr
kurzen ist leider nichts geworden. Ich nahm die digitalisierte Tapeaufnahme und
schnitt sie zurecht, verpasste den Stücken spontane Tracktitel, suchte mir ein
passendes Cover sowohl ein noch passenderen CD-Bedruck. Der Name Convertertod
existierte bei mir schon längere Zeit vor der Tapeaufnahme als Nickname im
Internet. Er entstand aus den beiden Bandnamen Converter und Verstärkertod.
Schon damals hatte ich jede Menge musikalische Ideen und keine Gelegenheit sie
umzusetzen. Mit anderen Musikern gemeinsam musizieren ist schwierig. Da es mit
Anonkrata zu aufwendig war und immer noch ist, wir wollten mal wieder etwas
zusammen machen, habe ich mich dann entschlossen, unter dem Drang mehr zu
produzieren, mich alleine ans Werk zu machen. Da Convertertod nun aber mit
Anonkrata entstand und ich immer wieder auf den Bezug zu Converter gefragt
werde, habe ich mich auf die Suche nach einen neuen Projektnamen gemacht. Ziel:
er soll einzigartig sein. Hilfsmittel: Google. Heraus kam Sceletec. Die heutige
Antwort von Convertertod auf den Bezug zu Converter ist, Converter klingt viel
zu schön, ich musste es kaputt machen.

sturmzeiten.de: Es gibt bereits die CD "Nebucadneza"
und die Doppel-CD „Jemaroque/Encourage" und vom Vorgängerprojekt Convertertod "
Live is a strange thing". War da vorher schon mal was musikalisch Belastendes,
andere Bands und Projekte? Und wie schaust du nun auf deine Veröffentlichungen,
wo die letzte "Jemaroque/Encourage" 2005 erschien?

seletec: Musikalisch Vorbelastendes war sehr
belastend, da ich in meiner Schulzeit in einem Blasorchester entweder die kleine
oder große Trommel oder das Becken spielte. Dazu kommt noch das wir einem
Musikkorbs angehörten mit Fanfarenzug und bei jedem größeren Aufmarsch spielten.
Wir waren ein lustiger Verein und haben viel Party gemacht. Ich persönlich sehe
keinen Zusammenhang zwischen den musikalischen Aktivitäten in meiner Schulzeit
und den heutigen. Zu meinen Veröffentlichungen kann ich nur soviel sagen, dass
ich sie mir gerne ab und an reinziehe. Sie klingen sehr eigenartig und kaputt.
Nach dem Motto: „es soll keine schönen Töne geben“. Ich habe das letzte
Doppelalbum an einige Bekannte verkauft, sowie als mp3 an etliche
Internetradiosender. Mir liegt nicht viel daran Stückzahlen zu verscherbeln, wer
nur die Musik hören mag kann sie sich online besorgen und wer lieber etwas
Handfestes in CD-Qualität haben will, kann sie sich günstig erwerben.

sturmzeiten.de: Wenn ich mir deine letzte
Veröffentlichung „Jemaroque/Encourage“ so anhöre, hab ich das Gefühl durch viele
verschiedene Räume zu gehen. In dem Einen erwartet rhythmischer Industrial, im
Nächsten Noise, dann wieder etwas mehr Technoides und mit „Pol Pot“ ein wahrer
Powerelectronics Dampfhammer. Gibt’s da beim Erstellen der Tonwerke, klare
Vorstellungen oder auch beim Album ein Konzept oder passiert alles irgendwie,
planlos?

sceletec: Verschieden mag schon sein. Ich mag
nicht dass es irgendwie bekannt klingt. Es sind Eindrücke des Alltagslebens die
von mir aufgegriffen werden und umgesetzt. Manchmal suche ich danach, andermal
erlebe ich sie. Gewisse Ideen setze ich spontan um, andere brauchen einfach ihre
Zeit zum reifen. Es kommt auch vor das es nicht so funktioniert wie ich mir das
vorstelle und dann wird es planlos, doch keinesfalls bei dem erwähnten 'Pol Pot'
Track. Wenn es zu schwierig wird verliere ich die Geduld, es soll in erster
Linie Freude machen.

sturmzeiten.de: Würdest Du sagen, du fühlst dich
irgendeiner Musikalischen Szene oder Bewegung zugehörig?

sceletec: Wenn es um Sceletec oder Convertertod
geht brauch ich mir keine Gedanken machen, das überlasse ich dem Hörer. Was mich
persönlich angeht fühle ich mich zur Wave-Szene hingezogen.

sturmzeiten.de: Gab’s oder gibt’s bei dir
musikalische Vorbilder? Was liegt bei Seletec so im CD-Player oder auf dem
Plattenteller?

sceletec: Auf meinem Plattenteller liegen meine
alten Vinyls aus den Ende 80ern, Anfang 90ern mit Vorzugsweise Death Metal, NY
Hardcore und Grindcore a la Napalm Death. Im CD-Player dagegen eher
elektronische Klänge von Miss Kittin, Kid Loco, Imminent Starvation,
Klangstabil, Qntal, Helium Vola und nicht zu vergessen my Favorit Skunk Anansis.
Vorbilder für die Produktionen sind tödliche Doris, Iannis Xenakis und der
militante Veganer Masami Akita mit seinem Projekt Merzbow, doch nicht nur die
Musik von ihnen sondern insbesondere deren Interpretation.

sturmzeiten.de: Du bist aus München und gerade der
Süddeutsche Raum gilt ja auch als extrem umtriebig in Sachen Experimenteller
Klangerzeugung. Macht man da Viel mit denn so genannten "Kollegen" oder hat mit
ihnen zu tun?

sceletec: Wie schon erwähnt ist Convertertod mit
einem Kollegaz entstanden und ich habe auch weiteren Kontakt zu verschiedenen
Musikern. Es findet viel Austausch statt. Wenn es allerdings um das produzieren
geht, wird es aus verschiedenen Gründen schwer sich zusammen zu tun. Mir wäre es
auch ehrlich gesagt nicht gelegen ständig mit Anderen zu musizieren, da ich sehr
und besonders nach Lust und Laune an die Sache ran gehe.

sturmzeiten.de: Was steht als nächstes an. Neues
Material? Konzerte? Wie schauen die Planungen Bezüglich Sceletec aus?
sceletec: Es gibt weitere Ideen die umgesetzt
werden wollen, sowohl alleine als auch mit befreundeten Musikern. Konzerte sind
mit Convertertod oder Sceletec nicht geplant. Das ich mal auf der Bühne stehe
ist nicht ausgeschlossen. Sceletec wird auf alle Fälle fortbestehen und neue
musikalische Leckerbissen auf den freien, total überfüllten, kommerzialisierten,
benutzerfreundlichen Markt kotzen. Was es nicht geben wird, ist Musik die
gefällt.