s c e l e t e c
keine schönen töne

Interview: Bunkerhospital

Autor: Michael(sturmzeiten.de)

Sturmzeiten: Bunkerhospital,
eigentlich hat man auf neues Material von Sceletec gewartet und auf einmal
tauchst du mit Bunkerhospital auf und walzt alles platt. wie kam die Idee zum
neuen Projekt?

Psoido: Die Idee an sich ist
nicht neu. Mit Sceletec veröffentliche ich Sachen die ausschließlich ich alleine
gemacht habe und wenn ein anderer mitmischt dann ergeben sich neue Projektnamen,
ganz individuell. Bisher war es so, das bei diesen Side-Projekten zuerst die
Musik stand und dann erst kam das drum herum wie Projektamen und Tracknamen. Die
ganze Sache mit Bunkerhospital war schon eine Zeitlang geplant und wartete auf
seine Umsetzung, als es dann soweit war ging alles ziemlich spontan von dingen.

Sturmzeiten: Kann man da sagen
Frequenzlabor ist quasi ein Konzept?

Psoido: Würde ich so nicht
sagen, denn im Vordergrund steht bei mir immer die Musik, inwieweit es Musik
genannt werden kann. Nein, es ist kein Konzept, unter Konzept verstehe ich etwas
anderes. Frequenzlabor ist wie der Name schon sagt ein Versuch und zwar war es
der Versuch durch experimentieren und neues ausprobieren etwas zu schaffen. Hier
kann ich wohl erwähnen das bei diesem Versuch einiges an Hardware draufgegangen
ist, es war sehr ärgerlich und beinahe wären die ganzen Aufnahmen für immer
zerstört gewesen. Ich fand die Session aber so genial, das ich alles daran
gesetzt habe die Aufnahmen zu retten une eine CD daraus zu machen.

Sturmzeiten: Was ja auch gelungen
ist. Wenn man Frequenzlabor hört, möchte man meinen, man ist quasi in einem
Labor an dem an jeder Ecke und an jedem Ende an etwas Anderem experimentiert
wird. Ich habe jetzt nach mehrmaligem Hören immer noch Gefühl etwas Neues zu
entdecken ist dies gewollt?

Psoido: Das ist total gewollt,
es ging bei den Aufnahmen ziemlich chaotisch zu so das keiner recht wusste wo
denn nun die Töne herkamen, gerade deshalb hat es viel Spaß gemacht. Es freut
mich auch sehr wenn jemand genau hinhört. Alltagsgeräusche sind für mich
faszinierend, dort kann sehr viel gehört werden, selbst anscheinend störende
Geräusche können Klänge haben welche durch genaueres hinhören musikalisch wirken
und somit Freude erwecken können. Solche Töne zu erzeugen und zu verwenden und
ein selbiges Feeling hervorzurufen findet sich in meiner Musik wieder. Wie schon
gesagt, die Namen zu dem Projekt sind nach der Musik entstanden und wie Du auch
feststellst passt Frequenzlabor ideal zu der Musik, genau das dachte ich auch
und gab der Doppel-CD aus den selben Gründen diesen Namen. Hier möchte ich den
Begriff Klangkunst erwähnen, da er ziemlich gut passt. Wie ich finde lässt
Klangkunst dem Hörer Spielraum sich selbst in die Klänge hinein zu versetzen,
sich darin zu finden und eine eigene Interpretation zu finden. Der Klangkünstler
gibt dem Hörer Anstöße etwas neues in seiner Interpretation zu finden und
dadurch in sich selber zu finden. Mit Texten in der Musik ist das ein etwas
leichteres Spiel. Voraussetzung zu diesem gegenseitigen Klangspiel ist natürlich
das einem die Töne gefallen, auch wenn es keine schönen sind. Musik bereichert
die Lebensqualität, was einigen bei meinen Geräuschen schwer fallen wird zu
glauben, denn es passiert hier nicht unbedingt sofort beim zuhören sondern
vielmehr beim hinein hören. Bei Sceletec gibt es Musik, das Kontaktmedium par
excellence auf eine ganz andere Art und Weise als gewohnt.

Sturmzeiten: Dass ihr dabei
anscheinend wirklich alles gegeben habt, hast du ja schon beschrieben. Aber wie
schafft man das Hardware draufgehen zu lassen bzw. die Aufnahmen fast zu
zerstören. Zuviel Rock N Roll im Blut oder zu viel Spaß bzw. zu heftig bei der
Arbeit gewesen?


Psoido: Das kam durch das
experimentieren, sprich dem verkabeln der Geräte, da ist wohl mal was falsch
eingestöpselt worden und hat zu viel Saft abbekommen und durch das zu heftige
bedienen der Geräte ging auch was zu Bruch und hat es lahm gelegt, wobei die
Aufnahmen im ersten Moment verloren schienen, ich versteh das heute noch nicht
was da genau passiert ist, da sind wohl höhere Naturgesetze am Werk gewesen. Wie
das Sprichwort schon sagt: Wer den Schaden hat braucht für den Spot nicht
sorgen. Von daher wird es auch eine schöne Miese Erinnerung bleiben, aber mehr
auch nicht, denn all zu schlimm ist es nun auch nicht, nur schade drum.

Sturmzeiten: Okay, wie schon erwähnt
hast du Frequenzlabor nicht allein aufgenommen. Wer war da noch dabei?
Psoido: Ein eher neuer
Bekannter, ein neuer Freund einer Freundin, mittlerweile kennen wir uns schon
näher. Er mag natürlich auch Krach und Noise und wollte einmal selber ans Werk
gehen, da habe ich ihm die Gelegenheit geboten und er musste schnell feststellen
das es nicht so ist wie er sich das vorstellte, das irgendwelche noisigen Töne
auf Knopfdruck zu Verfügung stehen sondern das sie aus den Geräten sozusagen
hervorgezaubert werden müssen. Letztendlich hat er doch durchgehalten und bis
zum Ende mitgemacht. Das schneiden, nachbearbeiten, Cover erstellen und was so
alles noch anfällt, die Rettungsaktion nicht zu vergessen habe ich dann im
Alleingang gemacht. Ob er noch einmal den Drang hat etwas zu machen kann ich
nicht sagen, es wird sich zeigen. Wenn nicht, kommt was anderes.

Sturmzeiten: Also doch eher
Einzelkämpfer will mir scheinen. Aber was du sagtest, beantwortet auch schon
eine Frage nach dem Unterschied zwischen Sceletec und Bunkerhospital. Kann man
jetzt sagen Bunkerhospital war ein einmaliges Ding?

Psoido: Das kann ich so nicht
beantworten. Wenn derjenige mit dem ich die Aufnahmen zu Bunkerhospital gemacht
habe noch einmal mitmacht und es klanglich zu Bunkerhospital passt, was nicht
schwer fallen dürfte, dann wird es eine zweite Bunkerhospital geben, ansonsten
nicht. Ich werde dem keinen Stein in den Weg legen. Ein Einzelgänger bin ich in
gewisser Weise schon, denn ich möchte mir treu bleiben und immer eine Option
haben um neues zu schaffen was ganz und gar meinen Vorstellungen entspricht,
wenn sich einer findet der dabei gerne mitmacht dann soll es so sein, doch werde
ich mich nicht festlegen mit wem. Wie und Was dürfte nun hoffentlich jedem klar
sein.

Sturmzeiten: Was mir auf jeden Fall
auch, neben der Vielschichtigkeit , die bei dir immer herrscht, bei einzelnen
Tracks aufgefallen ist, ist das du scheinbar einen Hang zu Tracks mit Überlänge
hast. Wie wichtig ist dir Vielschichtigkeit (manche Künstler scheinen ja
geradezu versessen darauf immer gleich zu klingen) und warum oft diese langen
Stücke?

Psoido: Vielschichtigkeit ist
wichtig und schwierig. Ich habe auch meine Vorlieben und bediene mich gerne
daran, doch scheinen sie bei mir teils sehr weit auseinander und doch haben sie
etwas Essentielles gemeinsam. Deshalb können mir vordergründige Dinge wie
Spiellänge oder Genres gar nicht wichtig sein, ich ziehe diese Gedanken an so
etwas gar nicht in Erwägung. Es ergibt sich einfach wie alles im Leben, einmal
kommt eins auf das andere und dann wieder sehr lange der monotone Alltag. Wer
weiß das schon? Ich weiß es ganz sicher bei meinen Tracks vornherein nicht und
möchte es auch gar nicht wissen.

Sturmzeiten: Sehr interessante
Aspekte. Da stellt sich mir die Frage ob du eine klare Vorstellung von dem hast,
was du dann an Klangkunst schaffen möchtest oder ob du dich einfach beim
Entstehungsprozess leiten lässt.

Psoido: Ich lasse mich beim
Entstehungsprozess gerne leiten ohne meine Vorstellung von dem was es werden
soll zu verlieren. Diese Vorstellung zu formulieren ist sehr gewagt, denn dies
fällt mir nicht leicht. Es geht dabei um Werte und das wir eigentlich keine
haben sollten, es geht um Störungen und ihre Notwendigkeit und darum das Chaos
hauptsächlich Kreativität beinhaltet. Eine Sache ihrer Schönheit wegen mögen ist
mir zu einfach. Etwas mögen was nicht Schön ist und zu wissen warum finde ich
viel interessanter.

Sturmzeiten: Was kann man in
nächster Zeit von dir erwarten? Wird es neues Material von Sceletec geben oder
gar irgendwo eine Livepräsentation?

Psoido: Ich würde nichts
erwarten und schon gar nicht zu Viel. Es liegt an meiner Inspiration und die
kommt wann sie will, da habe ich wenig Einfluss drauf. Ob es eine neue CD geben
wird, weiß ich nicht zu sagen, ich möchte schon gerne wieder eine Sceletec CD
machen, aber weiß noch nicht wie und wo und überhaupt echt kein Plan. Live
auftreten habe ich nicht vor und möchte ich eigentlich auch gar nicht, zumindest
nicht im üblichen Rahmen eine Konzertes.