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keine schönen töne

Doppel-Rezension: Convertertod "Life is a strange thing" / sceletec "Nebucadneza"

Autor: Susanne(medienkonverter.de)

Convertertod - Life Is A Strange Thing

Eine etwas andere Doppel-Rezension: Convertertod "Life is a strange thing" / "Nebucadneza".

Ob es ein Zufall ist, dass in jenen Minuten, als die erste
CD des Münchener Noise-Projektes in den Player der
Anlage einfährt, sich der Himmel verfinstert, langsam
starker Wind aufkommt und lautlose, grelle Blitze über
die Stadt zucken, ist kaum zu erahnen. Jedoch könnte die
aktuelle Wetterlage nicht passender zur Stimmung von
„Life is a strange thing“ sein: Noch etwas verhalten, aber
voll bedrohlicher Intensität bahnt sich das maschinell
erzeugte Armageddon durch die Boxen. Stark verzerrte
Voice-Samples, grollende, wummernde, erbarmungslose
Disharmonien und Atonalitäten fordern gewaltsam
Gehör. Schmerzensschreie von Menschen drängen sich
durch das pulsierende Atmen der Maschinen.

Convertertod spricht die Sprache von Agonie,
psychischen Extremzuständen, Gewalt, Sex und Drogen -
das Produkt eines kreativen Schaffensprozesses, den der
Protagonist und Mastermind schon vor einigen Jahren
begonnen hatte: „Convertertod kam mir in den Sinn, da
mir der Sound von „Converter“ gefällt und es eine Band
gibt, die Verstärkertod heißt. Das war vor 2 Jahren, als
ich auf die Idee kam, unter diesem Namen Musik zu
machen. Anfangs wollte ich nur ein paar Mixes von
Songs erstellen, die mir gefallen. Unter anderem wurde
ich auch von Miss Kittin inspiriert. Das ist aber leider im
Sand verlaufen, weil ich damals weder die Hard- noch
die Software dazu hatte.“ Mit der Hilfe eines Bekannten,
der selbst mit dem Projekt „Anonkrata“ aktiv ist, hatte
"Convertertod" bald das erste Tape aufgenommen. Erst
nach einem Jahr, im Frühling 2005, entschloss er sich,
das Tape zu veröffentlichen – nun aber als CD und
nochmals überarbeitet. Herausgekommen ist dabei „Life
is a strange thing“. Insgesamt 17 Tracks umfasst die auf
nur 44 Stück limitierte Veröffentlichung. Das Besondere
dabei, so Convertertod: „Der letzte Track ist das
komplette erste Tape, die einzelnen Tracks sind dasselbe
Tape, aber in einzelne, bearbeitete Tracks aufgeteilt und
mit Titeln versehen. Titel wie „Boazn“ (Bayern und
Schwaben wissen hier bestens Bescheid, oder?),
„Mumu“, „Warcraft“, „Blizz“ oder „Eugenie“ sorgen
nicht unbedingt für einen prompten AHA!-Effekt,
möglicherweise sollen sie das auch gar nicht: „Die
Namen der Tracks sind mir einfach so durch den Kopf
geschossen, ohne viel nachzudenken. Mich hat meine
psychische Vergangenheit dazu bewegt, solche Titel zu
wählen“, erklärt Convertertod.

Musik, die polarisiert und herausfordert, anwidert oder
fasziniert, krank macht oder glücklich. „Life is a strange
thing“ ist nichts für schwache Gemüter und
Zappelphilipps, einen „fast beat“ und zum Tanzen
animierende Rhythmen sucht man hier vergeblich.
Vielmehr ist es eine direkte Herausforderung an die
Psyche, teilweise an die Grenzen ihrer Belastbarkeit zu
gehen. Was könnte spannender sein? An seine Grenzen
ist Convertertod aber bisher noch nicht gestoßen: „Life is
a strange thing“ brennt er bisher noch selbst, das Album
soll jedoch später ohne Limitierung auf deepwire
erscheinen, einem kleinen Münchener Label seines
Kumpels, der bereits einige spannende und interessante
Bands im Internet promotet. Bisher ist Convertod aus
Zeitgründen leider dort noch nicht vertreten, doch es wird
daran gearbeitet. Convertertod war in der Zwischenzeit
weiter aktiv und hat dem Erstling nun „Nebucadneza“
folgen lassen, „mit Absicht anders geschrieben!“, wie er
betont. Nebucadneza ist unlimitiert und wird
voraussichtlich im Herbst diesen Jahres erscheinen: „Sie
ist soweit komplett fertig, Trackliste, Cover, Inlay und
CD-Bedruck stehen. Ich brenne und bedrucke diese CDs
auch selber“, erklärt Convertertod, „außerdem das Cover
und das Inlay.“ Die erste, limitierte CD gibt es für 5 € zu
kaufen, die evtl. spätere unlimitierte soll für 2,50 €
erhältlich sein.

Nebucadneza ist diesmal komplett an Convertertods PC
entstanden: “Im Laufe des letzten Winters habe ich
immer mal wieder ein paar Tracks erstellt und diese dann
je nach Lust und Laune zu einem neuen Track
zusammengestellt. So kamen über die Zeit 10 Stücke
zusammen, und ich
habe mich entschlossen, diese als komplette CD zu
veröffentlichen. Bei den Namen der Tracks ließ ich mich
von den jeweiligen Stimmungen inspirieren und durch
mein soziales Umfeld.“

Nebucadneza ist nicht unbedingt leiser oder lauter,
schneller oder langsamer als der Vorgänger und Erstling.
Das zehn Tracks umfassende Album wirkt in erster Linie
vielschichtiger, differenzierter und gereifter. Noisige
Tracks (z.B. “Diesel“) lassen mystische, fast tranceartige
Passagen („New6th“) folgen, auf „24“ spielt
Convertertod erstmals mit „richtigen“ Melodien.
„Speedbeat“ endlich verspricht den wohl langersehnten
Clubkracher – obschon minimal arrangiert – aber
dennoch wirkungsvoll. „Glenhaubizn“ hingegen kommt
schwer und schleppend daher und betört mit einer
zuckersüßen Hintergrund-Melodie (etwa Filmmusik aus
den goldenen 20ern?) und spielt wiederum mit bewusst
eingesetzten Disharmonien. Grenzwertig und voll
schizophrener Grausamkeit präsentiert sich „Gen
Westen“. An Kriegslärm erinnerndes Getöse vereinigt
sich mit der nervenaufreibenden Agonie einer
Frauenstimme zu einem extremen, fast schmerzenden
Hörerlebnis. Nach dem recht aggressiven Track „Gritter“
schließt sich der Kreis mit „Rhythm“ – noch einmal
monoton, aber tanzbar und treibend umgesetzt.
Inzwischen ist es Nacht geworden über der Stadt. Die
Lichter spiegeln sich im vom Regen ertränkten Asphalt
der Straßen. Der Moloch zeigt nun sein anderes Gesicht –
finster, kalt, bedrohlich, krank, einsam und
erbarmungslos. Convertertod ist der Soundtrack für
dieses Gesicht.