Die rote Göttin
Die dreieinige Göttin erscheint als weiße, rote und schwarze Göttin und ist Ausdruck einer fortschreitenden Emanzipation der Menschen.
Die weiße Göttin ist das ungestüme Mädchen, die jugendliche (Jung)Frau. Sie ist die Herrscherin im Himmel und die Gebieterin über Erfolg in Kampf und Jagd. Die ihr zugeordnete Mondphase ist die des zunehmenden Mondes.
Die rote Göttin ist die reife, fruchtbare, üppige, gebärende Frau, die Herrscherin über Land und Meer, die Göttin des Vollmondes.
Die schwarze Göttin, die alte weise Frau herrscht über die Unterwelt, spinnt den Lebensfaden oder durchtrennt diesen. Sie erscheint im abnehmenden und Neumond.
Der Heros, das Kind der Göttin, wird zur Wintersonnenwende eines jeden Jahres neu geboren. Er wohnt in den Wassern, welche die Göttin befruchten und aus ihrem Leib - der Erde, den Bergen - hervortreten. Zu Ostern/Ostara (Frühjahrs-Tagundnachtgleiche) wird seine wachsende, befruchtende Kraft beschworen und gefeiert.
Die
rote Göttin erhält ihre Farbbezeichnung von der ihr
zugeordneten Vollmondphase. Der Brechung ihres Mythos war Hauptanliegen
und Hauptnotwendigkeit während der patriarchalen Überformung
tradierter Kulturen. Patriarchale Systeme können nur existieren
und von der Masse getragen werden, wenn die Menschen von ihren
ureigensten Bedürfnissen, ihren innersten Trieben getrennt und
gespalten sowie zur Entladung aufgestauter Energie in Destruktion
"befähigt" werden.
Die rote Phase der Göttin steht
für die reife, fruchtbare, erotische, sexuell aktive und fordernde
Frau, für die Liebe in all ihren möglichen
Interpretationsmöglichkeiten. Sie ist es, die den König
erwählt, in der Periode der heiligen Hochzeit den Heros des
folgenden Zyklus empfängt und die Fruchtbarkeit sichert. Ihr zu
Ehren wurden orgiastische Riten vollzogen, die uns noch heute
geheimnisumwittert aus den Geschichtsbüchern (zumeist in
neurotisierter Rezeption) entgegenwabern.
Die rote Göttin
steht für das nährende Prinzip und Fruchtbarkeit und wird
somit auch in entsprechendem Kontext dargestellt. Legendär ist die
sie symbolisierende "heilige" Kuh, die Milchgeberin bzw. Amme. Aber auch
Hündin, Ziege, Biene und Schaf stehen in dieser Reihe.
Das
mythische Welt-Ei oder auch goldene Ei ist der Garant für
Glück und Fruchtbarkeit. In der Vorstellung der matriarchalen Welt
hatte die schaffende Kraft im Ursprung die Form eines Eies und wurde im
Vollmond wiedererkannt. Entsprechend steht das Ei als ein Symbol der
roten Göttin. Zauberringe und Zaubergürtel symbolisieren
ebenso die Yoni der Göttin wie Früchte, die mit der
äußeren Gestalt der Vagina assoziiert werden (z.B. Mandel,
Feige, Pflaume) oder wie der (Liebes)Apfel Sinnbild der tantrischen
Vereinigung sind. Vereinzelt sind auch Göttinnendarstellungen aus
der Zeit vor der Notwendigkeit der Sprache durch Symbolik erhalten.

Symbol der roten Göttin ihrer Vulva